Rückblick in Liebe

 

 

                       

          

                    

    

                 

Weihnachten 2008

 

Svennie ist nun schon eineinhalb Jahre fort. Wenn ich aus meinem Bürofenster sehe, sitzt er für mich unter der großen Kastanie, immer noch. Ich vermisse ihn sehr, das kleine, dreiste Persönchen. Wie er sich einfach genau vor meinen Füßen auf den Rücken geworfen hat, alle Viere von sich, und mit erwartungsvoll gehobenem Köpfchen MA gekräht hat, wie er von klein auf immer auf die gleiche Klettertour gegangen ist. Auf den Schoß springen, dann sich raufziehen bis zur rechten Seite meines Nackens, dort feste kleben bleiben mit Unterstützung meiner Arme von unten und über meine Schulter sehen. Wenn er müde war, hat er mit dem Köpfchen in meinen Haaren geschlafen, wenn er fit war, wollte er herumgeschleppt werden – am liebsten den ganzen Tag. Von oben sieht alles viel aufregender aus! Jedenfalls so lange, bis er mal wieder Lust hatte, seine Mitkatzen zu ärgern. Irgendwann habe ich dann eine Baby-Tragetuch-Konstruktion gebastelt – schlepp mal den ganzen Tag eine Katze, die an Dir hängt wie ein Sack Mehl! Aber ich wollte ihm den Wunsch nicht verwehren; Svennie durfte nahezu alles, weil er so arm und klein und krank war. Jaja, es ist wirklich manchmal vorteilhaft, arm und klein und krank zu sein!

 Heute merke ich erst, wie quirlig der Kleine war. Man könnte auch sagen hyperaktiv. Damals hatte ich sieben Katzen und dachte, das sei eine ganze Menge. Heute sind es nur noch fünf (Katjes ist im November 2007 einem Herzschlag erlegen) und ich denke, was für ein lahmer Haufen! Die fünf Stücker fallen gar nicht mehr auf! Svennie hatte sie alle auf Trab gehalten. Die hatten gar keine Zeit, zur Ruhe zu kommen. Sie wurden hier gepiesakt, dort in den Hintern gebissen – Svennie war da sehr erfinderisch. Er war auch etwas hinterhältig. Ich habe mehr als ein Mal beobachtet, wie er in der Gegend herumsaß und einer harmlos vorübergehenden Katze eine kräftigen Patscher auf den Rücken verpaßt hat, sich blitzschnell umdrehte und in eine andere Richtung sah. Dumdidum. Die andere Katze war stets höchst irritiert und Svennie guckte durch die Gegend wie die Unschuld vom Lande. Er war einfach ein supercleveres Kerlchen. Seine Frau Lieblingsdoktor weint immer noch, wenn die Sprache auf ihn kommt.

 Svennie hat sich auch schon einige Male aus dem Regenbogenland gemeldet. Er ist dort oben sehr beschäftigt, er muss ja seinen Schopp überwachen. Wenn er das nicht tut, macht die Dosi, also ich, ja nur Mist, meint er. Wie zu Lebzeiten. Außerdem muss er neue Spielzeuge entwerfen und auftreiben, um die Katzen jenseits des Regenbogenlandes glücklich zu machen. Wer weißt, vielleicht schreibt er ja mal aus dem Himmel? Ihr werdet dann die ersten sein, die es lesen dürfen. Bis dahin könnt Ihr ja seine früheren Abenteuer nachlesen. Sie stehen in seinem Buch „Ich, Svennie Glückspilz“.